Fotos als Hochzeitsgeschenk

Nach den vielen Immobilien-Shootings hatte ich endlich einmal wieder das Vergnügen mich als Hochzeitsfotograf betätigen zu dürfen.

Ein nettes Paar aus der Verwandtschaft hatte vor einiger Zeit standesamtlich geheiratet und wollte – im Rahmen einer kleinen, persönlichen Feier – diesem Ereignis nachträglich einen angemessenen Rahmen geben.

Dazu hatten sie sich für eine wirklich romantische Location im Rheingau entschieden.

Ich kannte diese Location schon sehr lange, war aber an den zahlreichen vorbei Fahrten niemals dort eingekehrt.

Ich hatte mit der Braut schon lange vor diesem Ereignis über das Thema Fotografie gesprochen und ich hatte ihr meine Dienste ganz unverbindliche angeboten. Allerdings hatte ich auf meine damalige Anfrage keine eindeutige Zu-oder Absage bekommen.

So ging ich also davon aus, dass sie und ihr Mann einen professionellen Fotografen für dieses Ereignis engagiert hatten. Umso überraschter war ich, als ich am Vorabend der Hochzeitsfeier eine kurze WhatsApp Nachricht bekam:“Hallo Thomas, ich würde mich sehr freuen wenn du auch Bilder an der Hochzeit machen würdest“.

 

Nun, meine Kameraausrüstung liegt eigentlich immer griffbereit und so musste ich nur die Akkus der Kameras aufladen.

Berufsbedingt hatte ich – zu meiner Canon EOS 600D mit 18-250mm Sigma und Batteriegriff – noch eine Canon 5D Mark IV zur Verfügung, die ich mit meinem einzig passenden Weitwinkelobjektiv Sigma 12-24mm kombinierte. Unerprobt war hingegen der neue Diffusor Mini Octagon Softbox Diffusor um das Blitzgerät erstmalig direkt focusiert verwenden zu können. Zuvor hatte ich dieses grundsätzlich nach oben gerichtet und im Idealfall eine schöne Ausleuchtung über die Decke bekommen. Bei dunkleren Decken oder im Freien, war diese Variante natürlich nicht gerade ideal und so hatte ich mich zum Kauf dieses kleinen Blitzaufsatzes entschlossen. Eine gute Entscheidung, wie sich später noch herausstellen sollte.

 

Mit meinem Kameragurt (links die 5D, rechts die 600D) und vollen Akkus startete mit mir die Hochzeitsfeier.Der eigentlich erwartete Hochzeitsfotograf war einer der Gäste, lediglich ausgestattet mit einer Canon 550D und einer 50 mm Festbrennweite. Bei aller Liebe – keine Ausstattung für eine Hochzeit mit unterschiedlichen Aufnahmesituationen.

Somit meine dritte Hochzeit als überraschend einziger Hochzeitsfotograf!

Nun, alles in allem war ich bestens vorbereitet, das Wetter passte und die Location sah ausgesprochen vielversprechend aus.

Die üblichen 'Aufwärm-Fotos' kurz vor Beginn des offiziellen Teils, trieben mir noch einige Schweißperlen auf die Stirn. Der Blitz war viel zu hell und musste von mir fast um eine volle Blendensstufe nach unten reguliert werden. Bei einer 2/3 Einstellung bekam ich dann die besten und ausgeglichensten Ergebnisse.

 

Der Wechsel zwischen der schweren 5D mit dem ebenso schweren Sigma Weitwinkel und der 600D klappte sehr gut und ich war froh, mit dieser Kombination unterwegs zu sein.

Durch den enormen Zoombereich konnte ich völlig entspannte Gäste fotografieren, die mich gar nicht wahr nahmen. Auch musste ich dem Brautpaar - bei der eigentlichen Zeremonie - nicht so nah auf die Pelle rücken und bekam trotzdem wunderschöne Fotos.

Die Fachleute unter den Lesern werden jetzt vielleicht die Nase rümpfen, denn mit der Lichtstärke der Objektive und Treffsicherheit der beiden Kameras war ich natürlich noch weit von der Oberliga entfernt – aber dank Blitz funktionierte es trotzdem recht gut. Ganz sicher hatte ich mehr Ausschuss durch Verwandlungsunschärfe, da die Hochzeitsfotografie allerdings nicht mein Hauptbetätigungsfeld ist und ich mir den Luxus von € 2.000,- Objektiven für Gelegenheitsjobs nicht leisten möchte, war ich mit den letztlich produzierten Ergebnissen durchaus zufrieden.

Tatsächlich zeigte sich wieder einmal die fotografische Weisheit: “Die beste Fotoausrüstung taugt nichts, wenn der Fotograf kein Auge hat". Ich hatte aus den vorhandenen Ressourcen wieder ein wunderschönes Ergebnis gezaubert – selbstverständlich mit Hilfe vieler Stunden mit Lightroom und der manchmal harten Entscheidung auch mittelmäßige Fotos zu löschen.

 

Nach wie vor bin ich der festen Überzeugung dass es wichtiger ist die gute Stimmung einer Feier und der Gäste festzuhalten, als technisch perfekte Fotos abzuliefern. Das ist mir übrigens bei einer Hochzeitsfeier mit der Canon 5D Mark IV und dem Canon Objektiv EF 24-105mm 1:4L is II USM auch nicht viel besser gelungen.


Das Ziel beides zu kombinieren, versuche ich nach und nach zu erreichen.

 

Von den ca. 1.100 gemachten Aufnahmen blieben dann 249 wirklich schöne Fotos übrig, die ich in einem ansprechenden Online-Album dem Brautpaar zufrieden präsentierte.

 

Update: Knapp zwei Wochen nach Übersendung des Online-Links an das Brautpaar.

 

Zur Erinnerung: Alles in allem sprechen wir hier von einem Zeit-und Arbeitsaufwand von 2-3 Tagen – ohne den eigentlichen Fototermin.

 

Umso ärgerlicher ist es dann, wenn diese Arbeit nicht entsprechend gewürdigt wird. Da es ja keinen monetären Ausgleich gibt, besteht die einzige Entlohnung für den engagierten Hochzeitsfotografen aus der Anerkennung, ungeduldigen Vorfreude und Begeisterung des beschenkten Brautpaares über die wunderbaren Fotos.

 

In meinem Fall wurden die Fotos auch nach knapp zwei Wochen nach der Zurverfügungstellung des online Albums nicht angeschaut und da fragt man sich natürlich nach der Wertschätzung der vielen Arbeit.

 

Von den zahlreichen, auf die Fotos wartenden Hochzeitsgästen einmal ganz abgesehen, empfinde ich das – gelinde gesagt – als frustrierend.

 

Was ist die Konsequenz? Nun, entweder bei zukünftigen Veranstaltungen mit Gefälligkeitsaspekt die Kamera einfach zu Hause lassen oder ganz deutlich zu postulieren, dass man grundsätzlich – egal für wen – nicht umsonst arbeitet.

 

Für ein übliches Fotografenhonorar lassen sich solche Unverständlichkeiten verschmerzen – im Rahmen einer großzügigen Gefälligkeit mit dem oben genannten Arbeitsaufwand allerdings auf keinen Fall - Hochzeitsgeschenk hin oder her.

 

Und auf den Einwand: "Es war doch ein Hochzeitsgeschenk!" möchte ich die Gesichter derer sehen, die ihr liebevoll ausgesuchtes und im Koffer geschmuggeltes Gemälde eines karibischen Künstlers beim nächsten Besuch hinter der Tür im nie genutzten Gästezimmer wieder entdecken. Nein, wer in Bezug auf sein Geschenk keine Erwartungshaltung hat, schenkt nicht mit echter Leidenschaft.       

 

Nachtrag Mitte Oktober 2018. Beim letzten Familientreffen Mitte Oktober waren die Fotos (bzw. der Link) noch immer nicht an die Hochzeitsgäste verschickt. Für mich ganz klar der Beweis. "Was nichts kostet, hat keinen Wert!" Auch wenn es so viel Arbeit war! Wieder was gelernt!